Nico Klüglein bayerischer Meister in eigener Halle

Bayerische Meisterschaft im gr.-röm. Stil, 11.02.2012 in Unterdürrbach

 

BM 2012 Unterdürrbach

 

Am Samstag war es soweit, wir waren Gastgeber der bayerischen Titelkämpfe der Männer und der B-Jugend. Es kündigten sich fast 150 Ringer aus ganz Bayern an, um ihre Meister und damit Vertreter auf den deutschen Meisterschaften zu ermitteln. Das letztendlich nur rund 100 Jungs und Männer am Start waren, konnte so wirklich keiner verstehen, jedoch gerade einige Teilnehmer südbayerischen Vereine schenkten sich die weite Anreise. Nichts desto trotz stand in den meisten Gewichtsklassen, vor allem in der B-Jugend, die bayerische Spitze auf der Matte. Für uns als Ausrichter gingen 7 Männer und 3 B-Jugendliche an den Start, heraus stechen konnte vor allem Nico Klüglein, der die hoch gesteckten Erwartungen voll erfüllte und einen tollen Turniertag mit dem Titel krönte. [Bilder vom Turnier]

 

 

Männer

Bei den Männern gingen alle unsere griechisch Athleten auf die Matte und wussten gegen das starke Feld gespickt mit bayerischen Bundesliga-Athleten durchaus zu überzeugen. In der 55kg-Klasse startete der erst 14-jährige Steffen Haase. Mit 50,1kg erfüllte er soeben das Mindestgewicht und wurde am Ende für seinen Mut mit der Silbermedaille belohnt. In einem ausgeglichenen Finale verlor er gegen den bereits über 50-jährigen Gerschmann in Runde 2 unglücklich auf Schulter.

Bis 66 Kilogramm trat Daniel Busch in den Ring. Für ihn gilt es nach der langen Auszeit vom Ringkampfsport zu allererst Wettkampfpraxis zu sammeln, hier kommt eine solche Meisterschaft genau richtig. In den ersten beiden Begegnungen traf er auf die übermächtige Oberliga-Konkurrenz aus Schonungen, unterlag jedoch in beiden Kämpfen nur nach Punkten. Im dritten Duell dann wartete mit Dominik Bähr ein durchaus machbarer Gegner, Daniel hielt den Kampf zu jederzeit vollkommen offen, unterlag jedoch letztendlich knapp nach Punkten.

Im Weltergewicht, bis 74kg, startete Manuel Schlereth und hatte dort einen schweren Stand. Mit seinen erst 18 Jahren eigentlich noch in der Altersklasse der Junioren beheimatet, fand er sich jedoch auch in der Männerkategorie achtbar zurecht. Nach einem ungefährdeten Punktsieg zu Beginn, wartete gleich in Kampf Nummer Zwei Topfavorit und Bundesliga-Athlet Dürrmeier aus Nürnberg. Manuel ging hochmotiviert zu Werke und gestaltete das Aufeinandertreffen überraschend offen, konnte jedoch aus dem Vorteil der Oberlage keine Wertung erzielen und unterlag somit nach Punkten. Gleich der nächste Kontrahent war von ähnlichem Kaliber, startend für Bundesligist Hallbermoos und amtierender deutscher Meister, Michael Prill. Auch hier ein ähnlich knapper Ausgang, 0:1 0:1, leider erneut zu ungunsten Manuels. Im letzten Duell wollte Manuel jedoch unbedingt aufs Treppchen, legte von der ersten Sekunde an den Vorwärtsgang ein und marschierte die komplette Kampfdauer. Gegner Sebastian Bethke besann sich hingegen auf die Flucht und wurde für seinen unattraktiven Ringstil am Ende von den Kampfrichtern belohnt. Die längst überfällige Verwarnung blieb aus und Manuel unterlag trotz optischer Überlegenheit in Runde 3. Somit blieb am Ende der  bittere vierte Platz.

Eine Gewichtsklasse höher (84kg) gingen gleich zwei Unterdürrbacher an den Start,  Marc Feser und Silvio Bauer wurden ins gleiche Pool gelost und trafen somit im direkten Duell aufeinander. Zudem waren beide noch chancenlos gegen den ehemaligen Bundesligaathleten Krieger aus Erlangen, mittlerweile für den SC Oberölsbach am Start. Das inner-vereinische Aufeinandertreffen entschied Marc für sich und stand somit in der Endrunde, Silvio blieb der Kampf um Platz 5 und 6. Hier ging er stark zu Werke, beendete Runde 1 überlegen und führte in Runde 2 bereits deutlich mit 6:3 als er nach kurzer Unachtsamkeit auf beide Schultern befördert wurde und sich somit um den verdienten 5. Platz brachte. Marc hatte im Kampf um die Medaillen gegen die beiden, ebenfalls in der obersten deutschen Liga beheimateten Bauer und Baumeister und landete am Ende auf einem Leistungsgerechten 4. Platz.

In der Kategorie bis 96 Kilogramm war Julian Hemmerich der Unterdürrbacher Vertreter. Im ersten Duell traf er auf Kraus aus Bamberg und hatte hier nach der durchwachsenen Leistung bei den Bezirksmeisterschaften einiges wieder gut zu machen. Dies merkte man ihm auch von der ersten Sekunde des Duells an, und noch in der ersten Runde beendete er das Aufeinandertreffen nach deutlicher Führung mit einem Schultersieg. In der nächsten Runde stand er Stork aus Freising gegenüber. Auch hier stets im Vorwärtsgang sicherte er sich einen souveränen 9:1 Punktsieg und zog somit ins Finale ein. In selbigem wartete jedoch mit Phillip Vanek von Deutschlands Vorzeigeverein Johannis Nürnberg ein übermächtiger Gegner. Ohne Wertungen im Standkampf ging es in beiden Runden in die Bodenlage, hier spielte der Nürnberger seine körperliche Überlegenheit gekonnt aus und sicherte sich den Meistertitel, für den Unterdürrbacher blieb ein starker Silberrang.

In der letzten verbliebenen Klasse, im Schwergewicht bis 120kg startete der gerade 18 gewordene Kevin Deener. Ein schweres Los bescherte ihm in den ersten beiden Duellen gleich die beiden haushohen Favoriten. Überraschender Weise hielt Kev gegen den auch deutlich schwereren Steinkirchner aus Mietraching klasse dagegen und unterlag knapp mit 0:1 und 1:2. Im zweiten Kampf bezog er chancenlos eine deutliche Niederlage um dann in den letzten beiden Aufeinandertreffen seine Chance auf einen der begehrten Pokale zu suchen.  Zuerst traf er auf Lehner aus Regensburg und begann stark, sicherte sich Runde 1 gar mit 4:0 in einem ausgeglichenem Kampf verließ ihn jedoch die nötige Ruhe, nach zwischenzeitlicher Führung auch in der zweiten Runde unterlag er trotzdem noch knapp nach Punkten. Das letzte Duell konnte er hingegen deutlich für sich gestalten, noch in der ersten Runde besiegte er  Glufke aus Zirndorf auf Schulter und sicherte sich immerhin einen 4. Platz. Aufgrund der hohen Starterzahl und der Tatsache dass sich alle Starter auch platzieren konnten sicherte sich der TVU überlegen die Mannschaftswertung bei den Männern.

 

B-Jugend

Hier hatte der TV Unterdürrbach seine heißesten Eisen im Feuer, Dominik Fleischmann und Nico Klüglein, beide in der Vorwoche auf dem Silberrang gelandet, sowie Markus Bedel, der im freien Stil noch krankheitsbedingt passen musste, durften sich alle große Medaillenhoffnungen machen. Markus trat in der Gewichtsklasse bis 46kg an und fand gleich gut ins Turniergeschehen, schaltete Kezer aus Nürnberg in knapp drei Minuten mit einem Schultersieg aus. Gleich im zweiten Duell wartete jedoch Mitfavorit Will aus Weißenburg. Beide kennen sich aus etlichen bisherigen Duellen gut und so begannen beide den Kampf recht bedacht und ein knapper Ausgang war abzusehen. Mit seiner ersten Aktion ging Markus mit 2:0 in Führung, konnte diese jedoch leider nicht halten und verlor die erste Runde mit 2:4. Im zweiten Durchgang gelang dies besser, Markus ging verdient in Führung und rettete diese auch in die Pause. Nun musste die dritte Runde eine Entscheidung bringen und wieder war Markus der bessere Mann und ging verdient mit 3:0 in Führung. Kurz vor Ende der Kampfzeit jedoch setzte Will mit dem Wille der Verzweiflung alles auf eine Karte und es ging gut, er drehte das Duell in den letzten Sekunden und ging als Sieger von der Matte. Nach einer vielleicht zu kurzen Verschnaufpause musste Markus nach diesem heißen Duell erneut auf die Matte, der Gegenüber war Wagner aus Penzberg. Man hatte das Gefühl die Luft war nach der Niederlage und damit verpassten Titelchance etwas raus und Markus ging nicht mit der nötigen Konsequenz wie in den vorherigen Kämpfen zu Werke. In jeder umkämpften Situation gab er den Punkt an den Gegner und unterlag nach Punkten. Somit war auch die letzte kleine Medaillenchance dahin und es blieb am Ende nur der Kampf um Platz 5+6. Hier riss er sich glücklicherweise noch einmal am Riemen und siegte vor Ablauf der Zeit deutlich nach Punkten.

Bis 54kg ging Dominik dann auf die Matte und die Auslosung bescherte zu Beginn des Turniers gleich das Finale der Vorwoche, sein erster Kontrahent war der Titelträger im freien Stil Klouceck aus Anger. Es entwickelte sich ein packendes Duell, in Runde 1 brachte der Standkampf keine Entscheidung und es ging bei 0:0 in die Bodenlage. Dominik nahm die Verteidigungsposition ein und erledigte seine Aufgabe mit Bravour, doch kurz vor Ablauf der Zeit wollte er zu viel, wollte einen Griffansatz des Angerers konntern und geriet in Rückstand. Die zweite Runde begann er mit der Wut der verschenkten Punkte im Bauch und sicherte sich diese souverän mit 3:1 Punkten, es ging also in der dritten Runde um alles. Es blieb lange beim 0:0, doch 10 Sekunden bevor der Bodenkampf erneut hätte die Entscheidung herbei führen müssen, gab Dominik einen unnötigen Wertungspunkt ab und es gelang ihm die restlichen 40 Sekunden nicht erneut eine eigene Wertung zu erzielen und Klouceck ging erneut als Sieger von der Matte. Den schnellsten Kampf des Tages lieferte er im zweiten Duell und schulterte seinen Gegner nach gerade einmal 10 Sekunden. Im dritten Aufeinandertreffen galt es die Medaillenchance zu wahren, Gegner war Ogbebor aus Freising. Dominik startete souverän und gewann die erste Runde sicher, im darauffolgenden Durchgang jedoch verlor er komplett sein Konzept und wurde zu allem Überfluss geschultert. So blieb nach erneut schnellem Schultersieg im letzten Kampf ein etwas enttäuschender 5. Platz.

In der Kategorie bis 38 Kilogramm startete für den TV Unterdürrbach Nico Klüglein. In seinem ersten Jahr in dieser Jugend galt er in seiner geliebten Stilart trotzdem als Topfavorit auf den Titel, lediglich Vorjahressieger Bauer aus Anger stand bei den Landestrainern ähnlich hoch im Kurs. Nico bekam den Druck schon zu spüren, vor allem viele der Zuschauer redeten immer wieder auf ihn ein und verdeutlichten die Hoffnungen auf einen Sieger in eigener Halle. Etwas nervös ging er dementsprechend in das Turnier, jedoch blieb es bei einer kurzen Schrecksekunde im ersten Kampf, nach einem schnellen Rückstand korrigierte er das Ergebnis postwendend und drückte seinen Gegner auf beide Schultern. Die Duelle 2,3 und 4 verliefen ähnlich, für seine 4 Poolkämpfe benötigte Nico insgesamt lediglich 3 Minuten um jeweils deutlich als überlegener Sieger die Matte zu verlassen. Nun ging es in die Endkämpfe, im ersten Duell wartete Tobias Hopf aus Lichtenfels. Er kennt Nico schon aus einigen Aufeinandertreffen und ging recht ängstlich zu Werke, Nico ließ sich von dem passiven Ringstil jedoch nicht beeindrucken und siegte erneut im Schnelldurchlauf mit 13:0. Es kam wie es kommen musste, das vorhergesagte Duell sollte im Finale die Entscheidung bringen. In der Vorwoche siegte Bauer im freien Stil, Nico fühlt sich jedoch im griechisch-römischen deutlich wohler und das machte sich schon über das ganze Turnier hinweg bemerkbar. Die ganze Halle blickte auf Matte 2 und der Kampf hielt was er im Voraus versprach. Der aktionsreichste Kampf mit über 40 Wertungspunkten war dann doch ein besonderes Highlight des Tages, beachtet man dass die meisten anderen Athleten im kompletten Turnierverlauf nicht eine solche Anzahl an Wertungen erzielen konnten. Die erste Runde war ein ständiges hin und her, die nervöse Kampfleitung tat ihr Übriges und es entwickelte sich ein teilweise hektisches Treiben. Nach 2 Minuten stand auf der Punktetafel ein 12:10, Nico sicherte sich diese Runde denkbar knapp. Doch der Kampf war noch lange nicht entschieden, stand in Runde zwei ebenfalls auf Messers Schneide, Nico erkämpfte die Oberlage, führte somit erstmals etwas deutlicher mit 8:3, doch Bauer konterte mit einer Wende, 8:5. Nico kämpfte sich verbissen aus der Unterlage und führte wieder deutlicher, hier erneut Verwirrung durch das katastrophale Schiedsgericht, die beiden Punktrichter zogen unterschiedlichste Wertungen und der Mattenpräsident, Kampfrichter Nummer drei musste unterbrechen und in einem Gespräch seine beiden Kampfrichter unterweisen, es stand korrekterweise 10:5. Der Kampf wurde im Stand fortgesetzt und Nico beendete Runde 2 mit einem sehenswerten Überwurf, baute seine Führung auf 13:5 aus und dies bedeute das Rundenende aufgrund technischer Überlegenheit. Die Freude war riesengroß, man spürte die Anspannung förmlich abfallen und während er seinen Titel mit einem Flic-Flac artistisch feierte, standen den Eltern die Freudentränen im Gesicht.

In der B-Jugend belegte der TVU am Ende den sechsten Rang, was mit dem Ergebnis der Männer zum gemeinsamen Turniererfolg in der Mannschaftswertung vor den Bundesligisten Lichtenfels und Nürnberg reichte.

 

Ein besonderer Dank gilt hiermit noch einmal allen Helferinnen und Helfern, die den reibungslosen Ablauf der Meisterschaft so erst ermöglicht haben! Ohne eine solch tolle Unterstützung ist eine derartige Meisterschaft nicht auszurichten!